|
Die Planung des Hauses begann schon vor einiger Zeit und bestand aus dem Sammeln von Ideen und Wünschen. Da wir das Grundstück von KIM gekauft hatten, haben wir gleich nach Eintrittskarten für die Hausmesse Haus 2008 erfragt. Firmen erhalten meistens Eintrittskarten kostenlos oder haben eine bestimmte Anzahl für deren Kunden gekauft (zu Werbezwecken).
Hausmesse 2008
Wir hatten unseren Sohn (ca halbes Jahr alt) mit und merkten schnell, dass man dann keine Ruhe hat, sich auf der Messe umzusehen. Gleich zu Beginn unseres Rundganges kamen wir zu einer Firma "Weißeritz Massivbau", wo wir nett begrüßt wurden. Wir informierten uns dort über deren Angebot. Auf einem Plakat an diesem Stand wurde mit Passivhäusern geworben. In Klammern stand dann "KfW40 Energiesparhaus". Das war ein Hinweis für uns, diese Firma nicht in unsere Auswahl aufzunehmen. Ein Passivhaus ist eben kein KfW40! Viele Hausbaufirmen bauen Massivhäuser und nehmen erst jetzt einzelne Passivhäuser in ihr Sortiment auf. Da der Preisunterschied hoch ist, bauen viele Leute weiterhin Massivhäuser. Somit wird klar, dass diese Firmen nicht über ein großen Erfahrungschatz verfügen, was Passivhausbau betrifft. Bedenkt man auch dass es in ganz Deutschland zum jetzigen Zeitpunkt (August 09) ca 6000 Passivhäuser gibt, so kann es einfach nicht viele Firmen geben, die viel Erfahrung im Bau von Passivhäusern haben. Einfach Häuser mit Passivhaus-Bauelementen zu bauen bedeutet nicht Erfahrung. Eine Passivhausfirma sollte den Markt kennen, wissen welche Möglichkeiten es gibt und diese auch ausprobiert haben. So spielt es eine wichtige Rolle z.B. mit welcher Lüftungsanlage gearbeitet wird, wie die Wirkungsgrade sind und wann die ersten Teile repariert werden müssen (Hinweis: eine Lüftungsanlage muss regelmäßig gereinigt werden, damit kein Schimmel und andere Bakterien sich einnisten und sich im Haus verteilen).
Kettner-Haus
Unsere Zeit war knapp und meine Frau drängelte wieder nach Hause zugehen. Wir wählten dabei einen zufälligen Weg durch die Messehalle und hielten noch beim letzten Stand an. Dieser hatte ebenfalls mit "Passivhaus" geworben. Der Unterschied zu den anderen Hausbaufirmen war, dass diese Firma (Kettner-Haus) nur Passivhäuser baut. Frau Forgber, die Architektin von Kettner-Haus hat uns erstmal nach der Lage und Ausrichtung des Grundstückes gefragt. Dies ist für ein Passivhaus wichtig. Wir sprachen nur wenige Minuten miteinander, erhielten aber in der Zeit mehr Informationen von ihr, als bei allen anderen Messeständen zusammen. Ganz konkret fragte Frau Forgber uns nach unseren Vorstellungen, z.B. ob wir einen Keller wollten usw. und machte auch aus dem zu erwartenden Preis pro qm für ein Passivhaus kein Geheimnis. Mit 1400€ müsse man schon rechnen - eine durchaus realistische Zahl wie sich inzwischen herausgestellt hat. Aus Zeitmangel ließen wir uns ein paar Prospekte zu "Was ist Passivhaus" und dessen Funktionsweise, sowie Grundrisse von Kettner-Haus-gebauten Passivhäusern geben.
Das Gespräch mit Frau Forgber hat uns von der Seriosität von Kettner-Haus überzeugt und so entschieden wir uns aus dem Bauch heraus mit dieser Firma zu bauen. Zwar hatten wir reichlich Prospekte von anderen Firmen, hatten aber weder Lust noch Zeit, jede Woche mehrere Stunden mit Beratungsgesprächen zu verplempern. Mit einem Baby ist die Zeit für solche Dinge ohnehin stets kanpp bemessen. Schnell stellten wir außerdem fest, dass ein Passivhaus individuell geplant werden muss - eine Leistung, die bei Kettner-Haus inklusive ist. Wir bauen also kein 0815-Katalog-Haus sondern alles ist genau so, wie wir es wollen (natürlich im Rahmen des Mach- und Bezahlbaren . Die Baufirma ging mit der gesamten Architektenleistung in Vorleistung, wochenlang planten wir gemeinsam mit Frau Forgber - ohne dass wir einen Vertrag unterschrieben hatten. Ein Risiko für die Baufirma, aber offenbar ein kalkulierbares.
Ein großer Pluspunkt für unsere Entscheidung ist auch, dass die Architektin (Frau Forgber) selbst mit Kettner-Haus gebaut, zuvor diese Firma aus ca 40 Firmen ausgewählt und nach Fertigstellung sich bei Kettner-Haus beworben hat und jetzt dort arbeitet. Wer will schon in einer Firma arbeiten, die beim eigenen Haus gepfuscht hat?
Ein weiterer wichtiger Punkt war, daß die Firma ihren Sitz in Grimma (also in unserer Region) hat.
Entwürfe
Frau Forgber hatte uns drei Entwürfe nach einem ersten Treffen vorbereitet, welches wir selber noch mehmals verändert hatten. Sie hatte unsere Wünsche dann in eine machbare endgültige Fassung gebracht. Damit ihre Aufgabe erledigt. Der Weitere Kontakt ging dann direkt nach Grimma. Den Hausvertrag bekamen wir anschießend auch in mehreren Entwürfen, welchen wir per email immer wieder angepasst haben.
  
Keller-Radon-Dämmung-Lüftung
Ursprünglich wollten wir ebenfalls einen Keller, haben uns aber dagegen entschieden und dafür ein wenig Platz in zwei Abstellbereichen in den beiden Etagen verschafft.
Das Problem in diesem Baugebiet ist das Radon-Vorkommen. Radon ist ein farbloses, geruchloses Gas, welches leicht radioaktiv ist und im Raum Dresden verschieden stark vorkommt. Dieses Radon ist meist im Gestein gebunden und entweicht langsam. Das Gas selbst ist nicht gefährlich. Es sind Zerfallsprodukte, die bei längere Belastung zu Lungenkrebs führen können.
Daher muss der Keller sehr dicht sein, damit das Gas nicht durch kleine Risse im Beton in den Keller gelangen. Das Gas ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden an. Einen Wohnraum würden wir deswegen sowieso nie in den Keller verlegen. Wenn man einen Keller für ein Passivhaus bauen will, so hat man nur zwei Möglichkeiten. Entweder wird der Keller komplett gedämmt und an die Lüftung des Hauses angeschlossen (Keller ist in der Gebäudehülle enthalten) oder man dämmt den Keller nicht und trennt den Keller vom Rest des Hauses. Das Problem bei der zweiten Möglichkeit ist, daß man den Keller dann nur von außerhalb des Hauses erreichen kann, wenn man nicht extrem viel Geld für die Dämmung der Kellertreppe und des Kellerzuganges übrig hat. Bei der ersten Möglichkeit würde die Dämmung Mehrkosten von ca 30.000€ ergeben, so dass der Keller dann 60.000€ statt 30.000€ kostet.
Das war uns einfach zu teuer. Wir haben uns daher für ein Haus ohne Keller entschieden und vergrößern lieber die Garage, um dort weitere Abstellmöglichkeiten zu gewinnen. Das kostet uns etwa 3000€ mehr als eine Garage (Fertigteil-Metallgarage 4mx8m kostet etwa 8000 inkl. Fundament und Pflaster).
Baubegleitung
Von Anfang an steht man ebenfalls im Kontakt mit Herrn Kettner, welcher die Baumaßnahmen ständig begleitet und ebenfalls das Angebot für die Photovoltaik-Anlage erstellte. Er ist der Chef von Kettner-Haus. Der Hausvertrag (Generalunternehmervertrag) wurde dann zuhause bei uns im Beisein von Frau Forgber und Herrn Kettner unterschrieben. Während des Baus hat man ständigen Kontakt zum Bauleiter und den zuständigen Mitarbeitern der Firma.
Eigenleistung
Wie jeder Bauherr versuchen auch wir die Kosten für das Haus niedrig zuhalten. Wir wollten bestimmte Teile aus dem Hausvertrag rausnehmen und selbst an externe Firmen vergeben. Drei Hauptgruppen wären möglich gewesen: Elektro, Sanitärinstallation und Fließen. Nun hieß es also Preise vergleichen - ein zeitaufwendiges Unterfangen!
In allen drei Gruppen ist das Material enthalten.
Elektro
Bei Elektro haben wir im Internet recherchiert, aber nix zum Vergleichen gefunden. Wir haben im Freundeskreis ebenfalls jemanden der gebaut hat. Dieser hatte die Elektroinstallation teilweise selber gemacht und hatte nichts gespart. Man braucht sehr viel Zeit und muss mit den Maschinen für die Kabelschlitze zurecht kommen. Insgesamt hatte dieser für ein 140m² Haus 3 Wochen gebraucht. Da unsere Wände nur 17,5 cm dick sind (Kalksandstein, sehr tragfähig) und man 2cm in die Wände Schlitze für die Kabel bringt, war uns das Risiko zu groß, dass die Statik darunter leidet. Ebenso werden Außenjalousien angebracht, die wegen des Passivhauses (Dichtigkeit) nur elektrisch bedient werden dürfen. Mechanische Bedienung würde das Haus undicht machen und Luft kann entweichen (Kältebrücken, Kondensat, Schimmel). Die Elektroinstallation macht die Hausbaufirma, was ich nur empfehlen kann.
Sanitär
Wir haben uns den Sanitärposten aus dem Haus rausrechnen lassen (1600,-€). Die Installation von 1 Dusche, 1 Wanne, 2 Toiletten und 2 Waschbecken könne doch so teuer nicht sein - dachten wir. Weit gefehlt: Angebote von anderen Sanitärfirmen lagen zum Teil noch weit über dem Preis von Kettner-Haus. Deshalb entschieden wir uns zum einen aus Preisgründen die Installationen von Kettner-Haus machen zu lassen, zum anderen aus Garantiegründen bei Reklamationen. Bei Mängeln oder anderen Problemen, kann keiner das Problem auf den anderen schieben. Man sollte sich am Besten bei einem solchen Paket ein Sanitärobjekt aussuchen, was als Aufpreis im Hausvertrag ausgewiesen wird. Wir habe dadurch herrausbekommen, daß dort die EVP (Empfohlene Verbraucher Preis) veranschlagt werden. Diese Kosten werden nicht weiter gegeben, wenn man die Installation selber machen will. Es wird der wirkliche Einkaufspreis weitergegeben, der etwa bei einem Doppelwaschtisch mit einem EVP von 800€, nur 400€ beträgt (im Internet verglichen).
Wichtig ist, daß in dem Hausvertrag die Firmen und Produktlinien (Namen) stehen. Dann sucht man sich bei diesen Firmen und Produktlinien die preiswertesten Sanitärobjekte (Wannen, Becken, Armaturen,...) raus. Somit hat man die Preise der einzelnen Objekte und kann sich errechnen, wieviel Arbeitsleistung in den 1600,-€ stecken.
Fließen/Fußboden
Dieser Posten wurde mit 5800,-€ bemessen. Das Material von 15€/m² ist darin enthalten. Wir haben uns in verschiedenen Fließenmärkten umgesehen und festgestellt, daß man dort kaum Fließen für diesen Preis erhält. Die errechnete Arbeitskosten für Fließenleger lagen bei 45€-50€/m². Die Fließenleger im Raum Dresden haben ebenfalls eine schlechte Auftragslage und gehen aber mit den Preis runter. So ist der Preis für sehr stark verwinkelte Räume 25€/m², für den Rest liegt dieser bei 20€/m² und bei großen Räumen bei 18€/m² (geht ja auch einfacher zu verlegen). Für das gesparte Geld (ca 2500,-€) haben wir jetzt schönere und bessere Fließen (>30€/m²).
|